Starker Einbruch im Pressemarkt

Gemischte Bilanz am Pressemarkt im Corona-Lockdown: Wochenzeitungen im Auflagenplus – Abo-Auflage stützt Gesamtverkäufe der Tagespresse – Zeitschriftengattungen stärker von Einschränkungen im Pressevertrieb betroffen

Die Corona-Pandemie hat für die Gesamtauflagen der einzelnen Printgattungen am deutschen Pressemarkt unterschiedliche Folgen: Für die Zeitungen sind bei den wöchentlich erscheinenden Titeln gestiegene Gesamtverkäufe zu verbuchen. Bei der Tagespresse werden die Verluste im Einzelverkauf und bei den Bordexemplaren durch eine weitgehend stabile Abo-Auflage abgefedert. Hingegen führen die Corona-bedingten Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens – die Schließung des Einzelhandels und dienstleistenden Gewerbes, die Einschränkungen der Mobilität zu Beginn der Haupturlaubszeit – bei den Publikumszeitschriften im Einzelverkauf, Lesezirkel-Vertrieb sowie im Absatz von Bordexemplaren zu deutlich gesunkenen Verkäufen. Gleiches gilt für den Einzelverkauf der Fachpresse und den Absatz von Kundenzeitschriften zur Weitergabe an Kunden des Einzelhandels. Von den insgesamt 5.692 von der IVW erhobenen Auflagenmeldungen wurden von den Verlagen zu 490 Meldungen Pandemie-bedingt keine Zahlen übermittelt, was mit Blick auf die Rückgänge in den Gesamtauflagen der einzelnen Mediengattungen zu berücksichtigen ist.

Tageszeitungen -7,62 %
Die Tageszeitungen einschließlich der Sonntagsausgaben und Sonntagszeitungen verkauften im 2. Quartal des laufenden Jahres durchschnittlich pro Erscheinungstag 14,09 Mio. Exemplare und damit 7,62 Prozent weniger als im Vorjahr (2/2019: 15,25 Mio. Stück); gegenüber dem Vorquartal liegt der aktuelle Rückgang bei -3,28 Prozent (1/2020: 14,57 Mio. Stück). Weiter positiv entwickeln sich die Auflagenanteile digitaler Ausgaben. Die Anzahl als ePaper abgesetzter Tageszeitungsexemplare stieg im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um rund ein Fünftel auf 1,80 Mio. Exemplare (2/2019: 1,50 Mio. verkaufte elektronische Ausgaben).

Wochenzeitungen +2,2 %
Nach einem Auflagenminus zu Jahresbeginn verzeichnen die Wochenzeitungen im zurückliegenden Quartal einen merklichen Anstieg ihrer Gesamtverkäufe. Mit rund 1,64 Mio. abgesetzten Exemplaren steigern die wöchentlich erscheinenden Zeitungen ihre verkaufte Auflage im direkten Jahresvergleich um rund 2,2 Prozent (2/2019: rund 1,61 Mio. Stücke). Gegenüber dem Vorquartal legen die aktuell ermittelten Verkäufe um 1 Prozent zu (1/2020: rund 1,63 Mio. Exemplare). Dabei wird das Auflagenplus der Wochenzeitschriften hauptsächlich durch einen gestiegenen Absatz ihrer ePaper-Ausgaben erzielt, der im Jahresvergleich bei den Abonnements um rund 37 Prozent zulegt.

Publikumszeitschriften -27,96 %

Im 2. Quartal 2020 liegt die verkaufte Auflage der Publikumspresse mit rund 58,71 Mio. Exemplaren um 27,96 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres (2/2019: 81,49 Mio. Stück). Gegenüber dem Vorquartal (1/2020: 64,19 Mio. abgesetzte Exemplare) sind die Verluste deutlich schwächer; hier betragen die Einbußen -8,54 Prozent. Hintergrund des im Jahresvergleich deutlich stärkeren Rückgangs der Gesamtverkäufe ist die vertriebliche Neuausrichtung der ADAC-Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“, die im 4. Quartal 2019 noch mit zuletzt 13,56 Mio. Exemplaren bei den abonnierten Mitgliederstücken zur verkauften Gesamtauflage der Publikumspresse beitrug. Die weiteren Rückgängen gehen zulasten der von Corona besonders beeinträchtigten Vertriebskanäle Einzelverkauf (minus 11,69 Prozent), Lesezirkel (-23,33 Prozent) und – aufgrund des fast zum vollständigen Erliegen gekommenen Flugverkehrs – der Bordeexemplare mit einem Minus von rund 79 Prozent gegenüber dem Vorjahresergebnis.

Fachzeitschriften -5,21 %
Die verkaufte Auflage der Fachzeitschriften sinkt im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresergebnis um 11,14 Prozent auf 8,20 Mio. Stück (2/2019: 9,23 Mio. Exemplare). Damit ist die aktuelle Verlustrate der Fachpresse während der Corona-Pandemie deutlich erhöht: Im Jahr zuvor verzeichneten die Fachtitel im zweiten Jahresviertel einen Rückgang von 5,21 Prozent ihrer Gesamtverkäufe. Die Gesamtverbreitung der Fachzeitschriften von aktuell durchschnittlich 14,87 Mio. Exemplaren liegt um 19,27 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres (2/2019: 18,42 Mio. Stück). Zur Jahresmitte 2019 betrug der Verlust in der Gesamtverbreitung der Fachtitel im direkten Vergleich mit 2/2018 lediglich ein Minus von 3,28 Prozent.

Kundenzeitschriften -34,49 %
Sowohl in ihrer Gesamtverbreitung als auch bei ihren Gesamtverkäufen müssen die Titel der Kundenpresse aktuell deutliche Verluste hinnehmen: Mit insgesamt 31,14 Mio. verbreiteten und 23,47 Mio. verkauften Exemplaren verzeichnen die Kundenzeitschriften zur Jahresmitte 2020 gegenüber den Vorjahresergebnissen ein Minus von 34,49 bzw. 36,87 Prozent (2/2019: 47,54 Mio. verbreitete und 37,17 Mio. verkaufte Exemplare). Im Vergleich mit dem 1. Quartal 2020 sind die Verluste jedoch mit einem Minus von 6,71 Prozent in der Verbreitung und -3,63 Prozent bei den Gesamtverkäufen merklich geringer. Gegen den Trend sind die aktuell im Abonnement abgesetzten Kundenzeitschriften mit einem Plus von rund 41 Prozent gegenüber 2/2019 und +53,48 Prozent im Vergleich zum Vorquartal angestiegen. Ursache hierfür sind die Mitglieder-Abonnements des der IVW-Prüfung neu als Kundenzeitschrift angeschlossenen Titels eines
Automobilclubs „ACV Profil“.

Auflagenstatistik 2020 – 2. Quartal (PDF-Format)

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