Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite

+++ Donezk: Was folgt nach Sachartschenkos Tod?
+++ Juncker verspricht ewigen Sommer
+++ Hat Dänemark zu viele Akademiker?
+++Trump streicht Gelder für UN-Palästinenserhilfswerk

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Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Bankenpleite der US-Geschichte und gilt als Katalysator der globalen Finanzkrise. Journalisten beschreiben zehn Jahre nach dem Spätsommer des Chaos an den Börsen, welche politischen Schäden die Finanzkrise angerichtet hat.
https://www.eurotopics.net/de/205805/zehn-jahre-nach-der-lehman-pleite

+++ Die kleinen Leute fühlen sich betrogen

La Vanguardia – Spanien. Auch wenn sich das Wirtschaftswachstum inzwischen wieder eingerenkt hat, sind die Folgen der Krise weltweit zu spüren, erinnert La Vanguardia: „Die globale Staatsverschuldung hat sich mehr als verdoppelt – auf 60 Billionen US-Dollar; ebenso die privaten Schulden – auf 66 Billionen Dollar. Das birgt das permanente Risiko eines neuen Kollapses. … Banken und Konzerne erwirtschaften seit Jahren wieder Gewinne, aber die Überwindung der Krise wurde in den meisten Staaten nationalisiert, also auf den Steuerzahler abgewälzt. Der Ärger darüber und das Gefühl des kollektiven Betrugs, das in der Mittel- und Arbeiterschicht herrscht, erklären die Veränderungen in der Politik: das Erstarken populistischer Bewegungen sowohl auf der linken als auch auf der extrem rechten Seite des Spektrums sowie das Wiederaufleben des Nationalismus.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5t4

+++ Finanzkrise brachte Trump und den Brexit

Financial Times – Großbritannien. Auch Financial Times wundert sich nicht, dass sich in vielen Ländern große Teile der Bevölkerung von den Eliten abgewendet haben: „Die Kosten wurden zum größten Teil jenen auferlegt, die diese am wenigsten tragen konnten. Bei der finanziellen Konsolidierung wurde viel stärker auf die Kürzung von Staatsausgaben als auf die Erhöhung von Steuern gesetzt. Im Falle Großbritanniens betrug das Verhältnis unter dem damaligen Finanzminister George Osborne 80:20. … Die ‚hart arbeitende Klasse‘, die von Politikern so gerne umschwärmt wird, wenn diese Stimmen brauchen, war das Opfer. … Wer wundert sich da noch, dass weiße US-Arbeiter, die Jobs verloren, die früher als sicher galten, nun Donald Trump unterstützen? Es ist auch nicht verwunderlich, dass vergleichbare Bevölkerungsschichten für den Brexit waren.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5t5

+++ Linke verpasste historische Chance

The Guardian – Großbritannien. The Guardian beklagt, dass das neoliberale kapitalistische System, das die Finanzkrise erst ermöglicht hat, nahezu unverändert fortbesteht: „Der Bankensektor wurde nie zerschlagen. Die Pläne für eine Finanztransaktionssteuer verstauben in den Schubladen. Politiker spielten mit dem Gedanken eines neuen Klimapakts – und vergaßen diesen schnell wieder. Es gab nie eine echte Abkehr von der vorherrschenden Lehrmeinung, nur ein kurzes Innehalten, das schnell wieder beiseitegeschoben wurde. Die brutale Wahrheit ist, dass die Linke ihre Chance hatte, diese aber verpasste.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5t6

+++ In Italien droht der nächste Absturz

Die Presse – Österreich. In Italien könnte die nächste Finanzkrise ausbrechen, warnt Die Presse: „Steigen die Marktzinsen wegen mangelnder Haushaltsdisziplin weiter, wird die Refinanzierung wegen der Kurzfristigkeit der Schuld schnell deutlich teurer. Schon jetzt liegt die Zinsenlast bei 40 Mrd. Euro. Experten haben neulich vorgerechnet, dass die Schuldenlast durch steigende Zinsen selbst bei gutem Wachstum in den nächsten fünf Jahren auf gut 150 Prozent des BIPs gehen könnte. Also fast schon in griechische Dimensionen – und mitten hinein in ein realistisches Ausfallszenario. Die Regierung bereitet die Bevölkerung jedenfalls auf absehbare Schwierigkeiten vor: Mehrere Regierungsmitglieder haben zuletzt vor ‚Attacken‘ der Finanzmärkte auf das Land gewarnt. Schuld sind also vorbeugend einmal die anderen.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5t7

+++ Das Schlimmste kommt erst noch

Kathimerini – Griechenland. Kathimerini glaubt ebenso, dass sich neues Unheil zusammenbraut: „In den letzten zehn Jahren haben viele Dinge, die wir im entwickelten Westen als Fakt betrachteten, ihre Gültigkeit verloren, während andere, die als undenkbar galten, Teil der Realität wurden. … Und das Erschreckende ist, dass wir erst am Anfang stehen. Der Wettbewerb mit den aufstrebenden asiatischen Kräften wird sich verstärken. Die Technologien der Vierten Industriellen Revolution werden riesige, schwer zu bewältigende Änderungen für Alltag und Arbeit bringen. Im Vergleich zu ihren Nachfolgern werden die Demagogen von heute einst als rational und vorsichtig gelten. Die nächsten zehn Jahre können viel schlimmer werden.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5t8

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Donezk: Was folgt nach Sachartschenkos Tod?

Zehntausende haben am Sonntag in Donezk Abschied genommen vom Anführer der selbst ernannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko. Dieser war am Freitag bei einer Bombenexplosion in einem Café getötet worden. Einige Beobachter fürchten eine Eskalation der Kämpfe in der Ostukraine. Andere glauben, dass Kiew den Donbass nun endgültig aufgeben könnte.
https://www.eurotopics.net/de/205807/donezk-was-folgt-nach-sachartschenkos-tod

+++ Gefährliche Eskalation

Evenimentul Zilei – Rumänien. Die Tötung Sachartschenkos kommt Moskau gerade Recht, glaubt Evenimentul Zilei: „Sie erlaubt Russland, einen Schritt zurück zu machen und erneut einen Grund zu finden, die Diskussionen und Verhandlungen [über einen Waffenstillstand in der Ostukraine] zu verweigern, die Russland ohnehin seit vielen Jahren ablehnt. … Noch schlimmer aber wird jetzt die generelle Mobilmachung in der Region sein und die mögliche Eskalation mit Schusswechseln. Selbst ein Generalangriff könnte möglich sein – jetzt, sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl in der Ukraine.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5t9

+++ Konflikt könnte eingefroren werden

Apostroph – Ukraine. Wie sich die Lage in der Ostukraine in den kommenden Wochen entwickeln könnte, skizziert der Ex-Diplomat Wassyl Filiptschuk in Apostroph: „War es tatsächlich eine glänzend ausgeführte Spezialoperation ukrainischer Geheimdienste? Dann erwartet uns mindestens die Wiederaufnahme vollwertiger Kampfhandlungen im Osten des Landes. Oder waren es interne Auseinandersetzungen in Donezk, und Mokau musste sich einmischen und ‚Ordnung schaffen‘ in den besetzten Gebieten? Oder es gibt tatsächlich Absprachen über das schrittweise Einfrieren des Konflikts und die Verwandlung des Donbass in ein Gebiet mit ungewisser Zukunft.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5ta

+++ Im Donbass toleriert Westen Terror

Iswestija – Russland. Der Politologe Denis Denissow sieht das Schweigen der internationalen Gemeinschaft nach dem Anschlag in der Tageszeitung Iswestija als einen Beweis für die Doppelmoral in der Beurteilung des Konflikts in der Ostukraine: „Mit ihrer Position (oder besser gesagt: deren Fehlen) demonstrieren die westlichen Partner der ukrainischen Führung, dass terroristische Methoden durchaus akzeptabel sind und nicht verurteilt werden, wenn sie den Donbass-Konflikt betreffen. … Und hier geht es nicht nur um einen Terrorakt in Donezk, sondern um den Mord an einem Menschen, dessen Unterschrift unter der Minsker Vereinbarung steht. Man kann sich gut vorstellen, was los wäre, wenn jemand aus der ukrainischen Führung in Kiew in die Luft gesprengt worden wäre. Vermutlich hätte man noch vor Beginn der Ermittlungen harte Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5tb

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Juncker verspricht ewigen Sommer

Kommissionschef Juncker hat am Freitag angekündigt, dem Votum der EU-weiten Umfrage zur Zeitumstellung zu folgen. Mehr als 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer hatten sich für deren Abschaffung ausgesprochen. Juncker hätte besser nachdenken sollen, bevor er vorprescht, kritisieren Kommentatoren.
https://www.eurotopics.net/de/205722/juncker-verspricht-ewigen-sommer

+++ Riskanter Populismus der EU

Wiener Zeitung – Österreich. Den Vorstoß von EU-Kommissionspräsident Juncker, wegen einer Umfrage die Zeitumstellung abzuschaffen, hält die Wiener Zeitung für gefährlich: „Als Grundlage für eine demokratische Entscheidung taugt diese Online-Umfrage schlicht nicht. Man stelle sich vor, bei einem anderen Thema hätte Deutschland ein EU-weites Stimmengewicht von zwei Dritteln – und mit Österreich hätte der deutschsprachige Block sogar 70 Prozent! Mit der Aktion zur Zeitumstellung ist nun auch die EU-Kommission der in der Politik stets gegenwärtigen Versuchung zum Populismus erlegen. Damit hat Juncker eine riskante Tür geöffnet: Mit ein bisschen Fantasie fallen einem viele Fragen ein, die sich für Online-Umfragen eignen würden. Auch solche mit mehr Sprengkraft, als bloß an der Uhr zu drehen. Eine Beteiligung von 0,92 Prozent reicht als Legitimation offensichtlich schon aus.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5tc

+++ So wird Europa nicht geeint

Le Soir – Belgien. Möglicherweise wären andere Politikfelder besser gewesen, um das Vertrauen der Bürger in die EU-Institutionen wiederherzustellen, mutmaßt Le Soir: „Etwas, das alle verstehen, schnell und einfach durchzusetzen, macht die Dinge nicht zwangsläufig einfacher. Wenn die EU tatsächlich entscheidet, dass die Zeitumstellung abgeschafft wird, kann jeder Staat entscheiden, welcher Zeitzone er angehören will: Das stellt weitere Kämpfe in Aussicht, dieses Mal auf nationalem Level. … All das wird uns kein starkes, einiges und friedliches Europa zurückbringen. Die EU wird einen allgemeinen Wunsch erfüllt haben, wie soll man sie dafür kritisieren. Doch reicht das aus, um das Vertrauen in das europäische Projekt zurückzugewinnen, und den so stark in die Kritik geratenen Institutionen ihre Glaubwürdigkeit zurückzugeben?“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5td

+++ Finnen brauchen im Herbst mehr Licht

Iltalehti – Finnland. Die Abschaffung der Zeitumstellung könnte den Menschen ein Gefühl der Beständigkeit geben, findet Iltalehti: „An Herbstabenden in Finnland wurde es früh dunkel, weil der Tag durch die Umstellung der Uhren verkürzt wurde. Dadurch wurde die helle Zeit des Tages weniger. Das merkt man zum Beispiel am Studien- und Arbeitsplatz, wenn der Arbeitstag im Dunkeln beginnt und im Dunkeln endet. Selbst eine Veränderung um nur eine Stunde macht sich im menschlichen Lebensrhythmus und beim Schlafen bemerkbar. … Und in der heutigen hektischen Welt kann es den Menschen auch symbolisch ein Gefühl der Beständigkeit geben, bei derselben Zeit zu bleiben.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5te

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Hat Dänemark zu viele Akademiker?

Mit Schulbeginn sind in Dänemark die Zahlen der Einschreibungen an Universitäten, Gymnasien und Berufsschulen veröffentlicht worden. Die Politik sollte sich dringend um das Ungleichgewicht zwischen der akademischen und der berufspraktischen Ausbildung kümmern, fordern dänische Medien.
https://www.eurotopics.net/de/205809/hat-daenemark-zu-viele-akademiker

+++ Wir brauchen Klempner ebenso wie Historiker

Kristeligt Dagblad – Dänemark. Die Berufsausbildung sollte aufgewertet werden, mahnt Kristeligt Dagblad angesichts der hohen Studierendenzahlen zu Semesterbeginn: „Gerade in Grundtvigs [dänischer Philosoph und Pädagoge] Vaterland sollten wir uns daran erinnern, dass das Licht nicht nur auf die Gelehrten scheint. Auch für die Mechaniker und Maurer geht die Sonne auf. Diesen Branchen fehlen die Arbeitskräfte. Es wäre viel besser, mehr junge Menschen in diese Richtung zu dirigieren und dem gesellschaftlichen Missverhältnis entgegenzuwirken, als weitere Magister auszubilden und uns vorzugaukeln, dass es vornehmer ist, Kunstgeschichte zu studieren als Klempner zu werden. Keinem ist mit Ausbildungshochnäsigkeit gedient, auch nicht den Akademikern, die riskieren, arbeitslos zu werden mit einem inflationär verteilten Titel. Der Berufsstolz muss wieder gefördert werden, daran müssen alle ein Interesse haben.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5tf

+++ Berufsschulen attraktiver machen

Politiken – Dänemark. Berufsschulen und die Ausbildung leiden unter Sparpolitik und mangelndem politischen Interesse, kritisiert Politiken: „In diesen Sparzeiten werden die Schulen sicher nicht in spannende Angebote investieren, um mehr Jugendliche für Berufsschulen zu begeistern. Hätte die Regierung den Ernst der Lage verstanden, wäre sie schon längst mit einer Initiative gekommen, das Ausbildungssystem zu reformieren: Die zehnte Klasse [in Dänemark gibt es eine Volksschule bis zur 9. Klasse, die 10. Klasse ist freiwillig] könnte in die Berufsschule verlegt werden. Berufsbildung und Gymnasialbildung könnten gemeinsam verwaltet werden. Oder man setzt eine Grenze für die Anzahl der aufgenommenen Gymnasiasten. Es gäbe viele Möglichkeiten, wenn man wirklich will.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5tg

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Trump streicht Gelder für UN-Palästinenserhilfswerk

Die USA wollen kein Geld mehr an das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) zahlen. Außerdem erwägt das Weiße Haus, Millionen Palästinensern den Flüchtlingsstatus abzuerkennen. Mit dieser Politik sorgt Trump nicht nur für Leid, sondern auch für eine weitere Destabilisierung der Region, kritisieren die Kommentatoren.
https://www.eurotopics.net/de/205808/trump-streicht-gelder-fuer-un-palaestinenserhilfswerk

+++ Fehler mit ernsten Folgen

Frankfurter Rundschau – Deutschland. Trumps Vorgehen gefährdet den Friedensprozess, befürchtet die Frankfurter Rundschau: „Die USA verabschieden sich vollends aus ihrer Vermittlerrolle, und die Palästinenser werden gewiss nicht ermuntert, Konzessionen zu machen. Die Kritik an UNRWA ist nicht falsch. Es gibt Vorwürfe, das Hilfswerk lasse sich von der radikal-islamischen Hamas instrumentalisieren. Wenn das stimmt, muss es ein Ende haben. Aber die Streichung von Zuschüssen wird nicht dazu führen. Dass Trump einen Fehler macht, sagen sogar israelische Militärs. Die Wirtschaft im Gaza-Streifen könnte kollabieren. Gewaltsame Proteste könnten folgen. “ +++
http://www.fr-online.de

+++ Armut macht radikal

Polityka – Polen. Fehlende Hilfsmittel könnten zur Radikalisierung der Palästinenser beitragen, warnt Agnieszka Zagner, Nahostexpertin bei Polityka: „Wenn die Palästinenser in die Ecke getrieben werden, werden sie dadurch nicht verhandlungsbereiter. Im Gegenteil, das führt dazu, dass sich ihre Haltung festigt. … Eine Kürzung der Hilfsgelder wirkt sich negativ auf das Leben der einfachen Leute aus und zerstört ihr Vertrauen in die Führer in Ramallah. Wenn Abbas nicht in der Lage ist, ihnen ein würdiges Leben zu garantieren, dann findet sich vielleicht eine Organisation, die dazu bereit ist. Wenn wir uns die Situation im Gaza-Streifen ansehen, können wir uns denken, was für eine Organisation das sein könnte.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/5th

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