Wie olympisch sind die Olympischen Spiele?

+++ Europawahl: Parlament verhindert EU-weite Listen
+++ Soros finanziert Anti-Brexit-Kampagne
+++ Was ändert sich mit der GroKo für die EU?
+++ Welche Konsequenzen hat Polens Holocaust-Gesetz?
+++ Staunen über Elon Musks Rakete

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Wie olympisch sind die Olympischen Spiele?

Menschen aus aller Welt kommen zusammen, um sich im sportlichen Wettkampf unter fairen Bedingungen zu messen und zur kulturellen Verständigung beizutragen. So lautet der olympische Gedanke. Zum Beginn der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang bezweifeln Kommentatoren, dass diese hehren Ziele noch der Realität entsprechen.
https://www.eurotopics.net/de/194173/wie-olympisch-sind-die-olympischen-spiele

+++ Franchise-Unternehmen mit fünf Ringen

Die Presse – Österreich. Für das IOC sind die Winterspiele nur ein weiteres skrupelloses Milliardengeschäft, glaubt Die Presse: „Es ist wie in einem Casino: Je länger das Spiel dauert, desto öfter gewinnt garantiert die Bank. In diesem Fall ist es immer das Internationale Olympische Komitee. Ein in der Schweiz ansässiger Verein, in der Führungsriege besetzt mit teilweise zwielichtigen Schwergewichten. Allesamt gut vernetzt – mit maximalem Geschäftssinn. Das Spiel mit dem Produkt ist leicht: Es geht um Macht, Profit und Image. Olympia ist ein globales Franchise-Unternehmen mit fünf Ringen geworden. Dafür werden – aber nur für wirklich gute Partner wie Russland – mitunter die eigenen Regeln über Bord geworfen oder bis an die Grenzen ihrer Belastungselastizität ausgereizt.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4j9

+++ In Europa brennt niemand mehr für Olympia

Slate – Frankreich. Asien hat sich zum Zukunftskontinent der Olympischen Spiele gemausert, konstatiert Slate: „Asien gibt sich mit der Austragung der Sommerspiele 2020 in Tokio nicht zufrieden und hat auch die Winterspiele 2022 für Peking ergattert. [Das japanische] Sapporo ist so gut wie entschlossen, sich erneut für die Winterspiele 2026 zu bewerben. … Asien hat sich die Zuschläge verdient, denn es zeigt unaufhörlich, wie sehr es für die Olympischen Spiele brennt, während Europa sich immer stärker gegen Austragungen sträubt, wie man am Rückzug Hamburgs, Roms und Budapests in der Bewerbungsphase um die Spiele 2024 sehen konnte, die Paris sich schließlich gesichert hat – aus Mangel an Mitbewerbern. … Das IOC kann sich glücklich schätzen, dass Asien nicht so kleinlich und weniger kritisch ist.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4ja

+++ Zukunft der Spiele schmilzt dahin

Aftonbladet – Schweden. Angesichts des Klimawandels haben die Winterspiele keine Zukunft, fürchtet Aftonbladet: „Künftig könnten die Spiele gezwungen sein, zwischen einigen wenigen Austragungsorten zu pendeln. Und damit verschwindet der eigentliche Sinn der Spiele. Olympia ist bekanntlich Politik. Und Politik erfordert, dass viele Länder dabei sind. Wenn der Schnee schmilzt, wird auch die Zahl der Teilnehmer sinken, denn wer kann schon ohne Schnee trainieren. Die Lust auf Wintersport wird auch durch das winterliche Umfeld geweckt, weiße Landschaften im strahlenden Sonnenschein. Eine Spur Kunstschnee im Regen kann dieses Erlebnis nicht ersetzen. Während der letzten Spiele hat man alles Mögliche getan, um die Wettbewerbe am Leben zu erhalten. … Nehmen die Treibhausgase weiter zu, werden viele Wintersportorte aufgeben müssen.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jb

+++ Schon jetzt steht der Sieger fest

Lidové noviny – Tschechien. Die Spiele in Südkorea haben mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un schon jetzt einen großen Gewinner, kommentiert Lidové noviny: „Der Mann kann machen, was er will: sein atomares Arsenal testen, Raketen über japanisches Territorium schicken, am Tag vor Beginn der Spiele auch noch eine große Truppenparade abhalten. Die nordkoreanische Delegation wird trotz allem wie ein lieber Gast begrüßt. Eine Geste. Um damit die sinnentleerten Worte vom Frieden und vom olympischen Gedanken zu unterstreichen. Nichts gegen den Frieden und den olympischen Gedanken! Aber es ist falsch, so bedingungslos und offiziell ein Regime zu begrüßen, das diese verachtet.“ +++
http://www.lidovky.cz

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Europawahl: Parlament verhindert EU-weite Listen

Mit klarer Mehrheit haben die EU-Abgeordneten am Mittwoch eine alte Idee erneut abgelehnt. Sie stimmten gegen transnationale Listen für die nächste Europawahl, die es erlaubt hätten, dass beispielsweise ein französischer Wähler für einen polnischen Kandidaten stimmt. Viele Kommentatoren zeigen sich tief enttäuscht.
https://www.eurotopics.net/de/194174/europawahl-parlament-verhindert-eu-weite-listen

+++ Verrat an den Bürgern

Il Sole 24 Ore – Italien. Das ist Verrat an den Bürgern, schimpft die Brüsseler Korrespondentin von Il Sole 24 Ore, Adriana Cerretelli: „Wer hätte geglaubt, dass das EU-Parlament, das sich als Wiege und Labor der gemeinschaftlichen Demokratie in Europa, als Stimme und Seele seiner Völker versteht, diese im Namen nationalistischer Interessen und Machtfragen verleugnet? Genau dies ist in Straßburg geschehen. … [Die transnationalen Listen] hätten dem neuen Zeitgeist entsprochen, für ein politischeres, stärkeres, besser integriertes Europa. Ein Europa der Völker, nicht nur der Elite. … Nichts zu machen. Ein Parlament, das mehr dem Namen denn den Fakten nach europäisch ist – seit jeher Produkt 27 nationaler Wahlen und auf nationale Fragen konzentriert – hat eine weitere Gelegenheit versäumt, europäisch zu werden.“ +++
http://www.ilsole24ore.com/

+++ Und wieder kein Aufbruch

Deutschlandfunk – Deutschland. Und auch der Deutschlandfunk trauert um eine verpasste Gelegenheit: „Das wäre die Chance gewesen, zumindest das Saatkorn einer europäischen Öffentlichkeit auszusäen. Vor zwanzig Jahren, da hat das Europaparlament genau das schon einmal beschlossen. Die Regierungen der Mitgliedstaaten haben diesen Versuch damals abgeblockt. Heute müssen sie sich nicht einmal mehr damit befassen. Die Mehrheit der heutigen Europaabgeordneten will nichts mehr davon wissen. Und schwadronieren stattdessen über die Angst vor dem europäischen Superstaat. Oder darüber, dass man einem deutschen Wähler keinen spanischen oder dänischen Kandidaten vorsetzen darf. Die Zeiten sind einfach nicht danach. Die Nationalisten und Rechtspopulisten beherrschen die Stammtische, die vermeintlichen Proeuropäer ducken sich weg.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jc

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Soros finanziert Anti-Brexit-Kampagne

Der ungarischstämmige US-Milliardär George Soros unterstützt eine Kampagne gegen den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Umgerechnet knapp eine halbe Million Euro gingen aus seinen Stiftungen an die Organisation Best for Britain. In der britischen Presse scheiden sich an Soros‘ Engagement die Geister.
https://www.eurotopics.net/de/194175/soros-finanziert-anti-brexit-kampagne

+++ Ausgerechnet Soros untergräbt die Demokratie

The Daily Telegraph – Großbritannien. Als selbst ernannter Förderer der Demokratie darf sich George Soros dieser Spende nicht rühmen, kritisiert The Daily Telegraph: „Soros schrieb vor einem Jahr, ‚viele Menschen glauben, dass die Eliten ihre Demokratie gestohlen hätten‘. Da hat er ganz Recht – und doch finanziert er nun eine Kampagne, die den stärksten Ausdruck des Wählerwillens in der Geschichte der britischen Demokratie rückgängig machen soll. … Wenn er sich langweilt und einen politischen Kampf sucht, dann wird er nicht enttäuscht werden. Doch wenn es ihm wirklich darum geht, die Demokratie zu fördern und die Politik näher an die Menschen zu bringen, dann hat er sich hier für die falsche Seite entschieden.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jd

+++ Kritik muss doch wohl erlaubt sein

The Independent – Großbritannien. The Independent hingegen findet es absurd, George Soros und der Organisation Best for Britain Untergrabung des Volkswillens vorzuwerfen: „Es ist nach wie vor äußerst wahrscheinlich, dass Großbritannien die EU verlässt. Doch es ist offensichtlich, dass diese Aussicht vielen einfachen Menschen große Sorge bereitet. Ihnen muss erlaubt sein, bei der Frage, welche Art von Brexit es am Ende für Großbritannien geben wird, ihre Meinung zu äußern. Es sollte ihnen außerdem das Recht zugestanden werden, gegen ein schlechtes Abkommen mit der EU zu mobilisieren. Und so wie jede andere Organisation, die ein bestimmtes Ziel verfolgt, sollte auch diese ihre Aktivitäten mit Spenden finanzieren dürfen. Daher sollten wir nicht zulassen, dass die anhaltende und legitime Brexit-Debatte von wirren Verschwörungstheorien überschattet wird.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4je

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Was ändert sich mit der GroKo für die EU?

Das Thema Europa haben Union und SPD zum ersten Kapitel ihres Koalitionsvertrags gemacht: Sie wollen mehr ins EU-Budget einzahlen, stärker mit Paris kooperieren, schwächelnden Mitgliedstaaten unter die Arme greifen und Investitionen in der Eurozone anstoßen. Für Journalisten sind die Ankündigungen aus unterschiedlichen Gründen vielversprechend.
https://www.eurotopics.net/de/194096/was-aendert-sich-mit-der-groko-fuer-die-eu

+++ Willkommene Gewichtsverlagerung

Le Soir – Belgien. Le Soir freut sich über ein neues Kräfteverhältnis zwischen Frankreich und Deutschland: „Mit einem Macron, dem alles zu gelingen scheint, und einer geschwächten Merkel an der Spitze einer mühsam errungenen Koalition kehrt ein verändertes deutsch-französisches Paar auf die Bühne zurück. Ein etwas stärkeres und optimistischeres Frankreich und ein weniger hartes und arrogantes Deutschland als jenes, das in den Krisenjahren den Weg befahl. Dagegen ist nichts einzuwenden, vorausgesetzt, die Gewichtsverlagerung geht nicht zu weit in die andere Richtung. Einige fürchten, dass nach dem Brexit ohne Großbritanniens Gegengewicht und mit einer geschwächten Bundesregierung nun Frankreich zum starken Mann Europas wird. So weit aber sind wir noch lange nicht.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jf

+++ Ein positives Signal an Polen

Rzeczpospolita – Polen. Rzeczpospolita sieht in dem Koalitionsvertrag auch ein Angebot an Polen, die EU zu gestalten: „Polen wird zu Beginn des Vertrages ein ganzer Abschnitt gewidmet, nur Frankreich wird noch öfter genannt. Polen hat sich als Partner von besonderer Bedeutung herausgestellt, ohne den eine Reform der EU unmöglich ist. … Nicht weniger bedeutsam ist, dass aus dem Koalitionsvertrag hervorgeht, dass keine kleine EU entstehen soll, welche die Interessen Polens gefährden würde. Die angekündigte vertiefte Zusammenarbeit der Euro-Länder sieht eher nach kosmetischen Änderungen aus. Deutschland will die EU nicht spalten. … Das Angebot, das Polen in dem Koalitionsvertrag gemacht wird, können wir nicht ablehnen.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jg

+++ Mehr Geld für Europa

Kaleva – Finnland. Auch Kaleva erwartet große Veränderungen: „Schon die Übergabe des Finanzministeriums an die Sozialdemokraten lässt ahnen, dass ein Wandel in Deutschlands Wirtschaftspolitik bevorsteht, eine neue Haltung zur Stärkung der EU und zur wechselseitigen Verantwortung in der Eurozone. … Vermutlich wird Deutschland fortan großzügiger als bisher in den EU-Haushalt einzahlen, doch es will sicher auch zukünftig nicht die Rechnungen verschuldeter Mitglieder begleichen. … Gemeinschaftsverantwortung zwischen den Euroländern dürfte eher mehr Verantwortung für die Anleger als für die Staaten bedeuten. Das wäre auch für Finnland, das Deutschlands Politik der strikten Haushaltsdisziplin gefolgt ist, leichter zu schlucken.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jh

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Welche Konsequenzen hat Polens Holocaust-Gesetz?

Polens umstrittenes „Holocaust-Gesetz“ sieht Haftstrafen von bis zu drei Jahren vor, wenn jemand dem polnischen Staat oder seinen Bürgern die Verantwortung für nationalsozialistische Verbrechen oder Mittäterschaft zuschreibt. Journalisten sind nach der Verabschiedung des Gesetzes aus verschiedenen Gründen alarmiert.
https://www.eurotopics.net/de/193410/welche-konsequenzen-hat-polens-holocaust-gesetz

+++ Nationalistische Revolution wird beschleunigt

Polityka – Polen. Vor den Folgen des Gesetzes warnt in Polityka Lena Kolarska-Bobińska, Politikerin der liberalen Oppositionspartei PO und ehemalige Wissenschaftsministerin: „Die Situation der Regierung wird auf jeden Fall schwieriger. Die Beschleunigung der nationalistischen Revolution, die wir zurzeit beobachten, läuft den technokratischen Zielen von Mateusz Morawiecki zuwider. Der Premier hatte die Aufgabe, Investoren und die Wähler der Mitte anzuziehen. Stattdessen muss er sich nun mit zunehmender Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus beschäftigen.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4ji

+++ Totschweigen macht alles schlimmer

Lietuvos rytas – Litauen. Lietuvos rytas fürchtet, dass auch in Litauen die Aufklärung über die Beteiligung an nationalsozialistischen Verbrechen unterbunden werden könnte: „Auch renommierte litauische Historiker haben nicht nur einmal von einem absichtlichen oder unabsichtlichen Versuch gesprochen, die Schuld der Deutschen am Holocaust zu mildern. … Gründliche Recherchen und die öffentliche Debatte über das Thema ähneln in Litauen, Polen und in den anderen osteuropäischen Ländern noch immer der Suche nach der schwarzen Katze im stockdunklen Raum. … Die Versuche, den Schandfleck in der Geschichte mit Hilfe des Strafrechts zu überdecken, sind absurd. Solche Gesetze lösen das Problem nicht, im Gegenteil, sie verschärfen den Konflikt.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jj

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Staunen über Elon Musks Rakete

Das US-Unternehmen SpaceX – dessen Chef der Tesla-Mitgründer Elon Musk ist – hat am Dienstag in Cape Canaveral mit Falcon Heavy die derzeit leistungsstärkste Rakete ins All geschossen. Viele Beobachter sind von dem Projekt begeistert – und Kommentatoren aus Russland sehen mit einem Schlag alle Defizite der russischen Raumfahrt offenbart.
https://www.eurotopics.net/de/194098/staunen-ueber-elon-musks-rakete

+++ Peinlich sind nur Russlands Raumfahrt-Pleiten

Vedomosti – Russland. Dass der Start der Falcon Heavy in großem Kontrast zum bröckelnden Ansehen der russischen Raumfahrt steht, findet Vedomosti: „Russlands Raumfahrt hat schon vor vielen Jahren ihr romantisches Flair verloren und füllt die Zeitungen nicht mehr mit Sensationsnachrichten. Kaum jemand kennt noch die Namen der russischen Kosmonauten an Bord der ISS, dafür aber weiß man von vielen Skandalen beim Bau des Kosmodroms Wostotschny. An Berichte über missglückte oder aufgeschobene Starts heimischer Raketen hat man sich gewöhnt … Teilweise muten diese wie Witze an. Es stellt sich in der Tat die Frage: Was ist peinlicher: einen Sportwagen ins Weltall zu schießen oder Probleme mit den Proton-Raketen, weil eine verantwortliche Lageristin beim Triebwerkshersteller krankgeschrieben ist?“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jk

+++ Ein Beleg für die Freiheit

Den – Ukraine. Das Bemerkenswerte am Start von SpaceX ist, dass freie Menschen ihre Träume in einem privaten Unternehmen verwirklicht haben, meint Journalist Serhij Hrabowskyj in Den: „Musk hat alle Errungenschaften der Menschheit auf dem Weg in den Kosmos genutzt, doch dabei ging sein Team effektiver vor, da es nicht von Staatsbediensteten bedrängt wurde. Musk musste für die Verwirklichung seines Traums weder in die SS eintreten und die V2 schaffen, wie Wernher von Braun, noch in Stalin’schen Lagern sitzen und danach die ‚Schuld‘ in den geheimen Forschungslabors ‚wiedergutmachen‘ wie [Sergej] Koroljow und [Walentin] Gluschko. … Musk konnte das alles vermeiden und das bedeutet, dass die Welt sich von Grund auf geändert hat.“ +++
https://www.eurotopics.net/kurz/4jl

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