Anschlag bei Nationalfeiertag in Nizza

+++ Boris Johnson: Ein Rüpel als Außenminister?
+++ Lässt Italien seinen Süden verkommen?
+++ Pokémon Go – putzig oder gefährlich?
+++ Finnlands Populisten flirten mit EU-Referendum
+++ Brexit-Votum: Wie sich die EU verändern muss

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Anschlag bei Nationalfeiertag in Nizza

Während der Feier zum französischen Nationalfeiertag ist in Nizza ein Mann mit einem Lkw in eine Menschenmenge gerast und hat mehr als 80 Menschen in den Tod gerissen. Die Polizei erschoss den Täter. Kommentatoren sind erschüttert, dass Frankreich, das gerade erst die EM ohne Anschläge überstanden hat, nun wieder Ziel einer Attacke geworden ist.
http://www.eurotopics.net/de/162651/anschlag-bei-nationalfeiertag-in-nizza

+++ Angriff auf Frankreichs Nationalgeist

The Irish Independent – Irland. Der Anschlag von Nizza am französischen Nationalfeiertag hat besondere sy
mbolische Bedeutung, schreibt der Irish Independent: „Auch wenn sein Ursprung in der Gewalt der Revolution liegt, ist es das Ziel der Feierlichkeiten, den Frieden zu symbolisieren. Die Wahl des Nationalfeiertages für einen terroristischen Anschlag ist ein zielgerichteter Angriff auf den Geist Frankreichs. Das Land hat gerade die erfolgreiche Ausrichtung der EM 2016 vollbracht, wo die einzige Sicherheitsgefahr von Hooligans ausging. Mit seiner Sicherheitsoperation hat Frankreich gewährleistet, dass es keine Störungen gab, während das Land im internationalen Scheinwerferlicht stand. Die brutale Attacke von gestern Abend in Nizza wird die Franzosen sofort daran erinnern, dass sie seit den Anschlägen von Paris im letzten November im Ausnahmezustand leben. Wenn es die Wahrnehmung gab, dass das Leben zur Normalität zurückgekehrt sein könnte, wird diese Vorstellung nun aus den Köpfen der Menschen gelöscht sein.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14h

+++ Terror kann immer und
überall zuschlagen

La Libre Belgique – Belgien. Präsident Hollande sprach von einem Anschlag mit „terroristischem Charakter“. Eine Warnung an die ganze Welt sieht La Libre Belgique in der Attacke: „Das blutige Attentat hat einen hohen Symbolwert. Die Terroristen haben Frankreich am 14. Juli, seinem Nationalfeiertag, getroffen, kurz nach Ende des Feuerwerks. Ironie des Schicksals: Der französische Präsident François Hollande hatte in seinem traditionellen Fernsehauftritt anlässlich des 14. Juli die Effizienz der ergriffenen [Antiterror-]Maßnahmen hervorgehoben. Zudem wollte Frankreich Ende des Monats den Ausnahmezustand aufheben. Dass Frankreich bedroht ist, war bekannt. Mehrere Anschlagspläne auf französischem Boden und im Ausland waren vereitelt worden. … Das Attentat in Nizza ruft der Welt in Erinnerung, dass der Terrorismus weiterhin dort zuschlagen kann, wo man es nicht erwartet.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14i

+++ Europas gefährliche Kriegsve
rweigerung

To Vima Online – Griechenland. Die Tatenlosigkeit europäischer Politiker ist schuld daran, dass es immer wieder zu Terroranschlägen kommt, ärgert sich To Vima: „Wenn die europäischen Regierungen sich so verhalten, als sei es normal, dass jeder Abschaum massenweise die Bürger in ihren eigenen Ländern tötet, und die Politiker nur darauf warten, wo der nächste Angriff stattfindet, ist dieser Krieg bereits verloren. Wenn Europa, das nichts anderes zu tun hat, als sich selbst zu zerfleischen, die Erkenntnis verweigert, dass es sofort alle Kräfte in diesen Krieg schicken muss, anstatt sich in inneren Grabenkämpfen zu verlieren, dann hat es diesen Krieg bereits verloren. Schon am nächsten Tag der Tragödie im Bataclan in Paris, verlangte Frankreich von Europa, die Anti-Terror-Mittel zu erhöhen. Aber Europa hat nicht wirklich reagiert. In Brüssel und Berlin ist man der Meinung, dass andere Dinge Priorität haben.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14j

+++ Auch
jetzt nicht provozieren lassen

Polityka – Polen. Noch ist unklar, wer hinter dem Attentat steckt und ob es möglicherweise ein radikalislamistisches Motiv gibt. Wenn dies jedoch der Fall sein sollte, so wie bei vorherigen Anschlägen in Frankreich, sollte der Westen unbedingt ruhig bleiben, fordert der Philosoph Jan Hartman auf seinem Blog beim Nachrichtenmagazin Polityka: „Wir sind jetzt zwar verletzt und unsere Feinde agieren immer dreister. Aber ihr Ziel ist, bei uns Angst und Hass zu säen, damit wir dann auch mit Gewalt auf die Gewalt antworten, die man uns angetan hat. Sie wollen, dass wir uns dadurch in den teuflischen Krieg hineinziehen lassen, den immer mehr islamistische Gruppen führen. Diese Spirale darf sich aber bloß nicht weiterentwickeln! Wenn wir uns provozieren lassen, dann werden die Anschläge und der Aufruhr an der Tagesordnung sein. Europa wird so zu einem zweiten Balkan, wenn nicht gar zu einem zweiten Nahen Osten.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14k

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Boris Johnson: Ein Rüpel als Außenminister?

Der polemische Brexit-Befürworter Boris Johnson wird Großbritanniens Außenminister. Manche sehen darin einen klugen Schachzug der neuen Premierministerin Theresa May, andere Kommentatoren verurteilen die Personalie als weiteren Affront gegen Europa.
http://www.eurotopics.net/de/162648/boris-johnson-ein-ruepel-als-aussenminister

+++ Londons Diplomatie braucht den Adrenalinschub

The Daily Telegraph – Großbritannien. Die Berufung des umstrittenen Brexit-Befürworters Boris Johnson zum britischen Außenminister ist ebenso gewagt wie begrüßenswert, findet The Daily Telegraph: „Dies könnte sich als eine geniale Ernennung erweisen – einfallsreich, klug, mutig – und Großbritannien genau die Stimme verleihen, die es in Zeiten massiver Umstrukturierungen in der Außenpolitik braucht. Es ist zwingend notwendig, der Welt zu verdeutlichen, dass der Brexit nicht das Zusammenschrumpfen auf eine mürrische, kleine Insel vor der Nord
westküste Europas bedeutet. … Mehr denn je benötigen unsere Diplomaten Selbstbewusstsein und Optimismus, was Großbritanniens Zukunft außerhalb der EU angeht. Jetzt ist nicht die Zeit, um sich defensiv wegzuducken. Großbritanniens Diplomaten brauchen eine Adrenalinspritze, die ihnen an diesem entscheidenden Punkt unserer Geschichte nur Boris Johnson mit seinem Schwung und Elan liefern kann.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14l

+++ Johnson an der kurzen Leine

Večernji list – Kroatien. Einen klugen Schachzug der neuen Premierministerin sieht Večernji list in der Ernennung Boris Johnsons zum britischen Außenminister: „Theresa May hat Johnson dadurch belohnt und zugleich neutralisiert. Der prestigeträchtige Titel des Außenministers ist alles, was der britische Clown bekommt. Denn May hat sich längst schon darum gekümmert, die Macht und die Einflussmöglichkeiten dieses Ministeriums stark zu reduzieren. So wurde ein Brexit-Ministerium mit David Davis an seiner Spitze
gegründet, das die konkrete Arbeit des Austritts übernimmt. Zudem wird May sicherlich das Vorrecht nutzen, als Premier sehr frei und umfassend in die Arbeit des Außenministeriums einzugreifen. May und Britannien werden zwar so manchen Ausfall dieses Politclowns ertragen müssen, aber Boris wird an der kurzen Leine gehalten und ohnehin die meiste Zeit irgendwo durch die Welt reisen. Eine kluge Entscheidung, denn Johnson war das Gesicht des Brexits und wird von Millionen unterstützt.“ +++
http://www.vecernji.hr/

+++ Großmaul als Außenminister ist Provokation

El Mundo – Spanien. Als unverantwortliche Provokation gegenüber Europa kritisiert El Mundo die Ernennung Johnsons als Außenminister: „May hat bei der Kabinettsbildung alles daran gesetzt, um die Wellen in ihrer Conservative Party zu glätten und alle politischen Lager einzubinden. Schließlich ist sie bislang nur als Ersatzspielerin für Cameron im Amt, die von den Wählern noch nicht legitimiert worden ist und nun e
ine schwere Parteikrise bewältigen muss. … Doch nichts von all dem rechtfertigt die Ernennung Johnsons. Es ist eine unverantwortliche und provokante Entscheidung, einen Mann ins Außenministerium zu setzen, der als Großmaul und Rüpel bekannt ist. Johnsons Liste von Beleidigungen internationaler Politiker ist endlos lang. Seine EU-Kritik war immer voll von Lügen und Übertreibungen. Das alles disqualifiziert ihn für ein Amt, in dem er der wichtigste Ansprechpartner aller europäischen Regierungen sein wird.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14m

Mehr Meinungen

+++ Die Presse – Österreich. Was auch immer Johnson macht, er wird kritisiert +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14n

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Lässt Italien seinen Süden verkommen?

Eine Zugkollision auf einer eingleisigen Strecke in Süditalien kostet mindestens 23 Menschen das Leben und lässt Vorwürfe laut werden: Der geplante Ausbau der Bahnlinie soll verzögert worden sein und es fehlte ein automatisches Kontrollsystem. Ist
der Staat Schuld an der Rückständigkeit des Mezzogiorno? Italienische Kommentatoren sind uneins.
http://www.eurotopics.net/de/162649/laesst-italien-seinen-sueden-verkommen

+++ Rom hat den Mezzogiorno im Stich gelassen

La Repubblica – Italien. Bestseller-Autor Roberto Saviano macht in La Repubblica den Staat für das Unglück verantwortlich: „Die Tragödie erzählt von versäumten Investitionen, von mangelnder Sicht und Perspektive sowohl dieser wie auch der vorherigen Regierungen. Im Süden investiert man nicht in das Transportwesen, denn politisch bringt das keine Vorteile. Schließlich ist mit direktem Stimmenzuwachs in einer Region mit einer so hohen Jugendabwanderung kaum zu rechnen. … Man hat entschieden, auf den Norden zu setzen, wo eine Unternehmensstruktur vorhanden ist – wenngleich auch dort vieles im Argen liegt. Der Süden muss sich mit Effekt haschenden Pressemitteilungen zufrieden geben, mit ein paar Worten zu kriminellen Organisationen. Ein Übel, das es zu bez
wingen gilt, sicher, aber über das man nicht zu viel reden sollte, um bloß kein Klima des Misstrauens zu schaffen. So wird der Süden abgespeist.“ +++
http://www.repubblica.it

+++ Süditalien muss Rückständigkeit selbst bekämpfen

Avvenire – Italien. Allein die Regierung in Rom zum Sündenbock zu machen, ist hingegen für Avvenire zu einfach: „Wehe, wenn die Südländer und mit ihnen ihre Politiker die Schuld auf andere abwälzen. … Die Tragödie in Apulien muss für uns alle ein Weckruf sein. Wir dürfen es nicht dabei belassen, unsere Toten zu beweinen. Als [1993] die außerordentlichen Fördermaßnahmen für den Mezzogiorno per Dekret abgeschafft wurden, haben viele, auch die Süditaliener, dies als Zeichen der wahren Staatseinheit gutgeheißen. Viele Jahre später gibt es wenig zu feiern. Der Süden ist stehen geblieben, gelähmt in der eigenen Verantwortung und der eigenen Rückständigkeit. Sie erstreckt sich von der Schule zur Universität, von der Bahn zum Straße
nnetz, von der Wasserversorgung zur Breitbandvernetzung. Es ist unsere Pflicht, die Stimme zu erheben und zu reagieren.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14o

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Pokémon Go – putzig oder gefährlich?

Bereits wenige Tage nach Markteinführung spielen Millionen das Smartphone-Spiel Pokémon Go. Daten- und Verbraucherschützer warnen vor der App, bei der der Nutzer durch die Kamera seines Telefons in der echten Welt auf die Jagd nach den kleinen Wesen namens Pokémon geht. Auch die Kommentatoren sind nicht davon begeistert.
http://www.eurotopics.net/de/162647/pokemon-go-putzig-oder-gefaehrlich

+++ Niedlicher Kommerz, der teuer wird

The Guardian – Großbritannien. Das Handy-Spiel Pokémon Go mag unschuldig daherkommen, wird aber bald vom Kommerz vereinnahmt werden, warnt der Guardian: „Google hat eine Armee von Fußgängern rekrutiert, die die urbane Welt für sie kartieren. Indem einige Orte als wichtig für das Spiel markiert werden, können die Spieler hierher gelockt w
erden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis den Unternehmen die Möglichkeit verkauft wird, potenzielle Kunden so anzulocken. Der nächste Schritt ist die ortsbasierte Werbung, wo das Telefon in der Hand dir je nach Aufenthaltsort Dinge verkaufen möchte – nach dem gleichen Prinzip, wie es schon mit dem Surfen im Internet passiert. Das ultimative Ziel von Pokémon Go wird es sein, das Einkaufen in der Stadt zu einem Spiel zu machen. Wenn das passiert, sind wir alle ein bisschen ärmer.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14p

+++ Pokémon Go hat in Gedenkstätten nichts zu suchen

La Vanguardia – Spanien. Die Museen von Auschwitz-Birkenau und das Holocaust-Museum in Washington haben das Handyspiel Pokémon Go in ihren Anlagen als „äußerst unpassend“ verboten. Pilar Rahola begrüßt das in La Vanguardia: „Der Holocaust kann weder das Szenario eines digitalen Spiels sein, noch Grund zum Vergnügen. Und die Museen, die an den Horror erinnern, verdienen Respekt: Sie sind T
empel tragischer Erinnerungen, weil hinter ihren Wänden Millionen ermordeter Herzen schlagen. … Wenn man zwischen Gaskammern und Todeszügen kleine Monster jagt, wird selbst der Tod unwichtig. Banalisieren ist schlimmer als verleugnen, denn die Argumente und die Perversion der Verleugnung sind leicht angreifbar. Wenn man aber das Böse banalisiert, wird alles verdaulicher, weniger tragisch. Und dann tötet es seine Opfer ein zweites Mal.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14r

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Finnlands Populisten flirten mit EU-Referendum

Mehrere Abgeordnete der Partei Die Finnen (ehemals Wahre Finnen) fordern ein Referendum über den Verbleib des Landes in der EU. Offiziell trägt die Partei aber als Mitglied in der Regierungskoalition die EU-Politik des Landes. Kommentatoren kritisieren die Zweigleisigkeit und erinnern daran, dass sich Finnland keinen EU-Austritt leisten könnte.
http://www.eurotopics.net/de/162646/finnlands-populisten-flirten-mit-eu-referendum

+++ Regierungspartei
macht auf Opposition

Hämeen Sanomat – Finnland. Als Teil der Regierungskoalition dürfen Die Finnen nicht mit den Tricks einer Oppositionspartei auf Stimmenfang gehen, ärgert sich Hämeen Sanomat: „Es lässt sich leicht erraten, woher der Flirt der Finnen mit dem EU-Austritt kommt. In der Regierung hat sich die Partei zur EU-Mitgliedschaft bekannt, laut Verfassung ist Finnland EU-Mitglied und die Umfragewerte der Finnen sind im Vergleich zum Ergebnis bei der Parlamentswahl aus vielen Gründen im Keller. … Sind die Forderungen nach einem EU-Austritt ein oppositionstypischer Trick, mit dem die Regierungspartei wieder nach oben kommen will? Griechenland-, Einwanderer- und Eurokritik scheinen nicht mehr zu ziehen. … Die Opposition wundert sich zu Recht, über die Zweigleisigkeit der Partei. In der Regierung wird das Regierungsprogramm befolgt, aber viele Abgeordnete der Partei haben ‚privat‘ etwas ganz anderes im Sinn.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14t

+++ Finn
land ist nicht Großbritannien

Etelä-Suomen-Sanomat – Finnland. Zum Wohl des Landes muss der Vorsitzende Timo Soini seine Partei zurückpfeifen, die entgegen der offiziellen Linie ein Referendum zum EU-Austritt fordern, meint Etelä-Suomen Sanomat: „Den Finnen-Abgeordneten scheint es unüberwindbare Schwierigkeiten zu bereiten, die Regierungslinie in diesem Punkt mitzutragen. Das ist verständlich, schließlich war die Kritik an der EU entscheidend für die Entstehung der Partei. … Für die Regierung sind die Referendumswünsche der Finnen jedoch untragbar. Die Finnen haben sich als Regierungspartei zur offiziellen finnischen EU-Politik bekannt. … Alle Blicke richten sich jetzt auf Parteichef Soini. Er muss sich besinnen und seine Mannschaft in den Griff bekommen. Die Abgeordneten der Finnen könnten den Sommerurlaub dazu nutzen, sich mit den Unterschieden zwischen Großbritannien und Finnland vertraut zu machen. Eine europäische Finanz- und Wirtschaftsmacht wie Großbritann
ien kann außerhalb der EU bestehen, aber für das kleine Finnland wäre es eine Katastrophe.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14v

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Brexit-Votum: Wie sich die EU verändern muss

Nach dem Brexit-Votum der Briten ist unklar, wann offizielle Austrittsverhandlungen beginnen und in welchem Verhältnis Großbritannien und die EU künftig stehen werden. Kommentatoren präsentieren Ideen für eine Neuordnung Europas.
http://www.eurotopics.net/de/161497/brexit-votum-wie-sich-die-eu-veraendern-muss

+++ Die EU muss sich gar nicht neu definieren, meint Peter Sloterdijk

Handelsblatt – Deutschland. Nach dem Brexit-Votum haben viele Politiker in der EU eine Erneuerung Europas gefordert. Der Philosoph Peter Sloterdijk erteilt dieser Forderung in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt eine Absage: „Was wir ‚Europa‘ nennen, ist schon seit gut einem halben Jahrhundert ein weitgehend selbstläufiger Prozess, der sich von den Willensbekundungen und Stimmungsschwankungen der Mit
glieder unabhängig gemacht hat. Die Stärke Europas besteht darin, dass es ein Kooperationssystem bildet, das in der Teilung von Sachvorteilen und gemeinsamen ‚Wert‘-Erfahrungen gründet, ohne Rücksicht auf Turbulenzen und Stimmungen des Tages. Dieses Prozess-Europa wird seinen systemisch vorgezeichneten Weg weitergehen, egal, was ‚Neugründer‘ und sonstige Schwärmer über seine Uneinigkeit in finanzpolitischen, flüchtlingspolitischen, sicherheitspolitischen und anderen Fragen sagen mögen. … Europas Stärke beruht in der Stimmungsunabhängigkeit seiner Institutionen. Die Europäische Union ist – nach der katholischen Kirche – das erste populismusresistente Gebilde der Geschichte.“ +++
http://www.eurotopics.net/kurz/14x

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