Homosexualität und Scheidung spalten Synode

Die katholischen Bischöfe haben sich zum Abschluss ihrer
zweiwöchigen Synode im Vatikan nicht auf einen Reformkurs im
Umgang mit Homosexuellen und Geschiedenen geeinigt.
Entsprechende Teile des am Samstag veröffentlichten
Abschlusstexts verfehlten die erforderliche Mehrheit. Die
Kirche muss sich nicht wundern, wenn ihr Gläubige den Rücken
kehren, kritisieren einige Kommentatoren. Andere loben, dass
Papst Franziskus die Bischöfe zu einer weiteren Öffnung
zwinge.

+++ Die Hirten vertreiben ihre Schafe

The Independent – Großbritannien. Die Bischöfe sollten sich
nicht über weitere Kirchenaustritte wundern, wenn sie an ihrem
veralteten Umgang mit Homosexuellen und Geschiedenen festhalten,
meint Kolumnist Stefano Hatfield in der linksliberalen
Tageszeitung The Independent: „Religion droht für eine ganze
Generation obsolet zu werden. … Was immer man vom derzeitigen
Papst halten mag, er hat zumindest erkannt, dass viele in seiner
heutigen Kirchengemeinde mit den jahrhundertealten Vorurteilen
des Katholizismus kämpfen, und er hat versucht, etwas zu
ändern. Dass seine Bischöfe ihn brüsk zurückgewiesen haben,
ist Erklärung genug für den erstaunlichen gesellschaftlichen
Rückgang des ‚Religiösen‘. Wenn die religiösen Führer
Großbritanniens nicht auf die verbliebenen Mitglieder ihrer
Herden hören, werden sie weiter in immer kleineren Kreisen
miteinander sprechen.“ (19.10.2014) +++
http://www.independent.co.uk/voices/comment/until-our-spiritual-leaders-grasp-some-realities-about-modern-life-religion-will-continue-its-decline-9804656.html

+++ Papst zwingt Bischöfe zur Offenheit

Jutarnji List – Kroatien. Auch wenn die Bischofssynode keine
neue gemeinsame Haltung gegenüber Homosexuellen und
geschiedenen Eheleuten gefunden hat, sind die Bischöfe nun zur
offenen Diskussion über diese Themen gezwungen, lobt die
liberale Tageszeitung Jutarnji List: „Eine Synode zu diesem
Thema einzuberufen war eine mutige Entscheidung. Noch mutiger
war es, ihre Uneinigkeit zu verkünden. Die Kirche ist zur
Kommunikation mit der Welt bereit, deren Teil sie unbestreitbar
ist. Gleichzeitig hat Papst Franziskus die Tore des hohen Hauses
aufgestoßen. Seine Entscheidung, den Bericht der Synode sofort
und in Gänze auf einer Pressekonferenz zu verkünden, ist ein
Präzedenzfall. Absolut einzigartig ist seine Entscheidung,
sogar die Abstimmungsergebnisse Artikel für Artikel bekannt zu
geben. Damit gibt er den Gläubigen nicht nur einen genauen
Einblick in die Kräfteverhältnisse, sondern auch in die
Leiden und Schwierigkeiten der katholischen Kirche, Antworten
auf die Herausforderungen der heutigen Zeit zu finden.“
(20.10.2014) +++
http://www.jutarnji.hr

+++ Franziskus macht Transparenz zur Chefsache

Gazeta Wyborcza – Polen. Die Aufgeschlossenheit, mit der die
Geistlichen bei ihrer Familiensynode über schwierige Themen
wie Scheidung und Homosexualität gesprochen haben, nährt die
Hoffnung, dass sich die Kirche öffnen könnte, freut sich der
Kirchenexperte der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza Jan
Turnau: „Im Vatikan ist erneut Gott erschienen. Ich kann wieder
einmal sagen: ‚Ex Roma lux‘. Das heißt: in Rom sehen wir Licht.
Das wichtigste daran war die Offenheit, mit der die Diskussion
geführt wurde. Und sie wurde nicht von den Reformatoren
aufgezwungen, sondern der Papst hat sie selbst begonnen. Dies
besonders hat meine christliche Hoffnung genährt, dass
zukünftig in der Kirche die Ökumene gestärkt wird. Und dass
Geschiedene besser behandelt werden, die man bisher als eine
Art Unglück angesehen hat. Ebenso könnte es sein, dass man
Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung offener
begegnet.“ (20.10.2014) +++
http://wyborcza.pl/1,75968,16830551,Synod_najwiekszych_nadziei.html

+++ Glauben nicht bis ins Detail regeln

Die Welt – Deutschland. Nachdem es bei der Familiensynode keine
Mehrheit für einen Reformkurs im Umgang mit Homosexualität
oder wiederverheiratet Geschiedenen gab, fordert die
konservative Tageszeitung Die Welt die katholische Kirche auf,
den Anspruch einer bis ins Kleinste einheitlich geregelten
Lehre aufzugeben: „Der katholische Glaube ist universal. Er
muss überall einheitlich gelehrt werden, dadurch ist
Katholizismus, anders als der Protestantismus, definiert. Die
konkreten Ableitungen für Detailfragen des täglichen Lebens
müssen aber in Manila, New York oder Berlin-Kreuzberg
zwangsläufig unterschiedlich ausfallen. Rom könnte allgemeine
Richtlinien erlassen, in deren Rahmen die nationalen
Bischofskonferenzen jeweils eigene Antworten auf die Fragen
ihrer Gesellschaft finden. … Ein Katholizismus der zwei, der
fünf, der x Geschwindigkeiten birgt die Gefahr der Spaltung.
Niemand weiß das besser als der Papst, die personifizierte
Einheit der Kirche. Und doch war es ausgerechnet Franziskus,
der das Abstimmungsergebnis der Synode veröffentlicht sehen
wollte.“ (20.10.2014) +++
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article133446669/Der-Einheits-Katholizismus-ist-gescheitert.html

POLITIK

+++ Volltreffer im Kampf gegen Zagrebs Politmafia

24 Sata – Kroatien. Der langjährige Oberbürgermeister der
kroatischen Hauptstadt Zagreb, Milan Bandić, ist am Sonntag
zusammen mit weiteren Stadtpolitikern wegen
Korruptionsverdachts festgenommen worden, wie die staatliche
Antikorruptionsbehörde Uskok bestätigte. Endlich hat es
einmal einen großen Fisch erwischt, jubelt die
Boulevardzeitung 24 Sata: „Die Schlagzeile, dass Milan Bandić
‚wegen Korruption‘ festgenommen wurde, klingt fast schon witzig
angesichts der Tatsache, dass der Name in den letzten zehn
Jahren fast als Synonym für Korruption benutzt wurde. Jetzt
bleibt eigentlich nur die Frage, für welche Delikte er zur
Verantwortung gezogen wird – die Liste ist schließlich endlos.
Und unklar bleibt auch, warum Bandić fast ein ganzes Jahrzehnt
lang nicht einmal verhört, geschweige denn verhaftet wurde.
… Das zeigt eigentlich, wie groß und mächtig sein
familiär-korruptes Netzwerk ist. Bandićs Hinterlassenschaft
aufzuräumen, wird nun eine ungleich schwierigere Aufgabe, als
es seine Verhaftung war.“ (20.10.2014) +++
http://www.24sata.hr

+++ U-Boot-Jagd heizt Verteidigungsdebatte an

Iltalehti – Finnland. Das schwedische Militär ist seit dem
Wochenende in einem Großeinsatz vor der Küste Stockholms
wegen des Verdachts auf eine ausländische
Unterwasseroperation. Angeblich wurde der Notruf eines
russischen U-Boots abgefangen. Der Einsatz dürfte die
Verteidigungsdebatte in Schweden erneut befeuern, vermutet die
Boulevardzeitung Iltalehti: „Die Suche in den Stockholmer
Schären weckt Erinnerungen an die Jagd auf U-Boote zu Beginn
der 1980er Jahre. … Natürlich muss auf Grenzverletzungen
reagiert werden, aber gleichzeitig muss die
Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. … Auf jeden Fall wird
die U-Boot-Jagd die Verteidigungsdebatte in Schweden anheizen,
denn immer mehr Schweden betrachten die Abschaffung der
Wehrpflicht als Fehler. Außerdem ist nicht einmal aus Europa
die Machtpolitik verschwunden. Und der führende Moralwächter
[Schweden] kann sich nicht nur auf Einsätze zur
Krisenbewältigung in fernen Regionen konzentrieren. … Die
Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht würde jedoch
sehr lange dauern.“ (20.10.2014) +++
http://www.iltalehti.fi/paakirjoitus/2014102018762731_pk.shtml

+++ Griechische Linke muss seriöser werden

Proto Thema – Griechenland. Das griechische Linksbündnis Syriza
gewinnt weiter an Popularität. Rund 30 Prozent der Wähler
würden ihm die Stimme geben, wie aus aktuellen Umfragen
hervorgeht. Doch anstatt überhastet Neuwahlen zu fordern,
sollten die Linken erstmal realistische Forderungen
formulieren, ärgert sich die liberale Wochenzeitung Proto
Thema in ihrer Online-Ausgabe: „Offensichtlich haben nur wenige
einen echten Überblick über die Lage. Die meisten sind von der
Perspektive der Macht ‚betrunken‘. Dies ist aber kein seriöses
Verhalten gegenüber dem Land und den Bürgern. … Die Bürger
können weder die hoch gesteckten Ziele der Regierung länger
ertragen noch müssen sie die übertriebenen Empfehlungen der
Opposition aushalten. Letztere hält Griechenland für den
Nabel der Welt und glaubt deshalb, dass ihre Empfehlungen
sofort von den Kreditgebern akzeptiert würden. … Zumindest
kann man ein wenig Seriosität verlangen, damit die Opfer der
Bürger während der letzten fünf Jahre nicht vergebens
waren.“ (19.10.2014) +++
http://www.protothema.gr/blogs/blogger/post/419661/as-ginoume-ougada-arkei-autoi-na-einai-fularhoi/

+++ Frankreichs Sozialisten brauchen klares Ziel

Libération – Frankreich. Die ehemalige Vorsitzende der
französischen Sozialisten Martine Aubry hat am Sonntag in
einem Interview die Wirtschaftspolitik von Präsident François
Hollande kritisiert. Die linksliberale Tageszeitung Libération
unterstützt ihre Forderungen von Maßnahmen zur
Konjunkturbelebung: „Unter diesen [wirtschaftlichen]
Bedingungen ist es absolut gerechtfertigt, nach alternativen
Maßnahmen zu suchen, sich gleichzeitig um Nachfrage und
Angebot zu kümmern und eine echte Steuerreform zu fordern.
Sicherlich kann man sich fragen, ob es möglich oder
wünschenswert ist, das französische Defizit zu erhöhen,
während die Märkte ein Auge auf Frankreich haben, und von
vornherein alle Reformen zur Flexibilisierung der Wirtschaft
abzulehnen. Und plötzlich den Kurs zu ändern, wo man sich
doch vor nicht einmal einem Jahr auf eine Richtung festgelegt
hatte. … In einem Punkt sollten sich alle Linken einig sein:
Es muss dringend ein allgemeines – nicht nur finanzielles –
Ziel festgelegt und erklärt werden, wohin das Land geführt
werden soll.“ (19.10.2014) +++
http://www.liberation.fr/politiques/2014/10/19/cap_1125397

WIRTSCHAFT

+++ Neue Gasrouten für die EU schaffen

Der Standard – Österreich. Moskau und Kiew haben sich im
Gasstreit laut Aussagen des ukrainischen Präsidenten Petro
Poroschenko vom Freitag offenbar mittelfristig auf einen
Kompromiss geeinigt. Das ist eine gute Nachricht, Europa sollte
aber endlich unabhängiger werden vom russischen Gas,
kommentiert die linksliberale Tageszeitung Der Standard:
„Aufatmen kann auch die EU, sind doch mehrere Länder nicht nur
von russischem Gas, sondern auch von Pipelines durch die Ukraine
abhängig. Allerdings erhält Europa die Belieferung nicht zum
Nulltarif. De facto wird die EU die Altschulden der Ukraine bei
Gasprom von 4,5 Milliarden Dollar übernehmen müssen. …
Einzige Schlussfolgerung, die Europa schon längst hätte
ziehen müssen: alternative Gasrouten und Energieträger zu
forcieren. … Doch besser spät als nie, also: Eigenproduktion
in Europa und Importe aus Nordafrika oder Norwegen erhöhen.
Aufbau von Flüssiggasterminals, Rückzug aus der fossilen
Energie. Das wird mit Kosten verbunden sein, doch
Unabhängigkeit gibt es nicht zum Nulltarif.“ (20.10.2014) +++
http://derstandard.at/2000007027062/EU-zahlt

+++ Russland kann sinkenden Ölpreis kompensieren

Népszabadság – Ungarn. Angesichts des massiv gesunkenen
Erdölpreises ist in vielen westlichen Medien die Befürchtung
geäußert worden, dass Russland in arge Probleme geraten
könnte. Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság glaubt
hingegen, dass Russland durchaus in der Lage ist, die Einbußen
staatlicher Einnahmen aus dem Erdölgeschäft zu kompensieren:
„Dank des ersten Halbjahres, als der Ölpreis noch hoch war,
konnte Russland rund 450 Milliarden Dollar [353 Milliarden
Euro] (!) an Devisenreserven anhäufen. … Russland wird nicht
umhin können, diese Reserven anzutasten, einerseits zur
Stärkung des Rubels, andererseits zum Stopfen der
Budgetlöcher. Es gibt aber auch noch andere Instrumente. So
kann Russland seine hohen Militärausgaben im kommenden Jahr
ohne weiteres senken. … Zudem könnte Russland Kredite
aufnehmen. Allerdings wäre dies in der jetzigen Situation
nicht unbedingt empfehlenswert. … Russland befindet sich bei
weitem nicht in jener Misere, in der die Weltpresse das Land
sieht.“ (19.10.2014) +++
http://nol.hu/velemeny/putyin-szorongatasa-1493255

+++ Deutsches Spardiktat stärkt Extremisten in EU

The Malta Independent – Malta. Die von Berlin aufgezwungene
Sparpolitik droht, in mehreren Staaten extremistische Parteien
an die Macht zu bringen, so wie das in der Weimarer Republik
der Fall war, warnt die liberal-konservative Tageszeitung The
Malta Independent: „Länder wie Italien, Spanien, Griechenland
und nun auch Frankreich haben offenbar genug von den
Vorschriften der Merkel-Clique. … Sie bestehen darauf, dass
fiskalpolitische Flexibilität mit wirtschaftlicher
Restrukturierung einhergehen muss. Andernfalls werden sie der
Spirale der Deflation niemals entgehen, die letztlich zu
Zahlungsausfall und Zusammenbruch führen wird. In all diesen
Ländern finden in den kommenden Jahren Wahlkämpfe statt, in
Griechenland möglicherweise bereits im nächsten Jahr. Und
eine von der Sparpolitik verletzte und vergiftete Wählerschaft
ohne Aussicht auf Erlösung könnte durchaus die gleiche
Entscheidung treffen wie die deutschen Wähler 1933.“
(19.10.2014) +++
http://www.independent.com.mt/articles/2014-10-19/blogs/History-must-not-repeat-itself-6736123973

+++ Italien hat ein Recht auf höheres Defizit

La Repubblica – Italien. Italiens Regierung hat am Donnerstag
ein sogenanntes Stabilitätsgesetz vorgelegt, das
Steuersenkungen und Investitionen von 36 Milliarden Euro
umfasst. Endlich wehrt sich auch Rom gegen die Brüsseler
Regeln des Stabilitätspakts, applaudiert der Ökonom Tito
Boeri in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica: „Eine
dieser Regeln steht noch dazu in keinem Vertrag, sondern wird
stillschweigend bei der Bewertung der nationalen
Haushaltsgesetze angewendet: Ein Land darf ein Jahr lang die
Defizitgrenze überschreiten, wenn sein Bruttoinlandsprodukt
sinkt oder das Wachstum vier Prozent unter seinem Potenzial
liegt. Mit einer Wachstumsprognose von 0,1 Prozent für 2015
liegt Italien 3,9 Prozent unter seinem Wachstumspotenzial [von
vier Prozent]. Wegen einer Dezimale muss Italien also
außergewöhnliche Umstände anführen, um seinen ersten
expansiven Haushaltsplan seit sieben Jahren zu verabschieden.
Regeln sind unvermeidbar streng und scheinen immer demjenigen
idiotisch, dem sie auferlegt werden.“ (19.10.2014) +++
http://www.repubblica.it

+++ Bahnstreik in Deutschland schadet Angestellten

Berliner Zeitung – Deutschland. Die Lokführergewerkschaft GDL
hat mit einem Streik am Wochenende, an dem in neun
Bundesländern die Ferien begannen oder endeten, den
Bahnverkehr lahmgelegt. Etwa zwei Drittel der Fernzüge sowie
viele Regionalzüge standen still. Damit schadet die GDL allen
Angestellten, meint die linksliberale Berliner Zeitung: „Gerade
in Deutschland haben die Gewerkschaften ihre Verantwortung seit
vielen Jahren übererfüllt. Ihre Gehaltsforderungen waren so
moderat wie ihre Streikaktionen. Das schätzen auch die
Arbeitgeber. Mit diesem Umgang unter Tarifpartnern scheint
Schluss zu sein. Am Wochenende hat die Gewerkschaft der
Lokführer versucht, die Republik lahmzulegen, nicht
hauptsächlich wegen berechtigter Forderungen nach mehr Lohn
und einer geringeren Arbeitszeit, sondern weil sie die
Konkurrenzgewerkschaft EVG ausstechen will. Damit desavouiert
die GDL das Streikrecht. Für einen Machtkampf zwischen
Gewerkschaften ist es nicht im Grundgesetz verankert worden.
Der politische und gesellschaftliche Schaden dieses Streits ist
enorm – zu Lasten aller Arbeitnehmer.“ (20.10.2014) +++
http://www.berliner-zeitung.de/meinung/kommentar-zum-bahnstreik-die-gdl-schadet-den-arbeitnehmern,10808020,28775464.html

GESELLSCHAFT

+++ Islamophobie macht keine Extremisten

Expressen – Schweden. Schwedens neuer Minister für Wohnungsbau,
Mehmet Kaplan, ist massiv in die Kritik geraten. Er hatte in
türkischen Medien Islamophobie für die Radikalisierung von
Muslimen und den Zustrom zur Terrormiliz IS verantwortlich
gemacht. Die liberale Boulevardzeitung Expressen schließt sich
der Kritik an Kaplan an: „Islamophobie [ist demnach] die Antwort
auf alle Fragen: Die Geheimpolizei wird von Islamophobie
angetrieben, ebenso wie die Terrorgesetzgebung, die
Medienberichterstattung und nun also auch die IS-Rekrutierung.
Der Hass auf Muslime ist zweifellos eine Seuche, die sehr ernst
genommen werden muss. … Doch Kaplan kann nicht entgangen sein,
wie schlecht Islamophobie als Erklärungsmodell für
Dschihadismus taugt. Er selbst machte den Fehler, 2007 eine
Anti-Terror-Übung aus diesen Gründen zu verurteilen – nur
wenige Jahre bevor in Stockholm ein Selbstmordattentäter
zuschlug.“ (19.10.2014) +++
http://www.expressen.se/ledare/anna-dahlberg/islamofobi-forklarar-inte-extremismen-kaplan-mp/

MEDIEN

+++ Pressefreiheit braucht auch zahlende Leser

Respekt – Tschechien. Der Verkauf von Anteilen des Verlags, der
die liberale slowakische Tageszeitung Sme herausgibt, an die
der Korruption verdächtige Investmentgesellschaft Penta ist
für die liberale Wochenzeitung Respekt eine schlechte
Nachricht für die Demokratie: „Reiche einheimische Unternehmer
hatten schon immer genug Geld, um Entscheidungen von Politikern
zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Keinen Einfluss hatten sie
auf die Medien, die ihnen auf die Finger sahen. Doch seit einem
Jahr fällt die Mehrheit tschechischer und slowakischer Medien
in die Hände derer, die gar keine verlegerischen Ambitionen
haben, wohl aber Machtambitionen. … Die gute Nachricht ist,
dass die Redakteure, die bei Sme gekündigt haben, ein neues
Projekt starten wollen. … Die Zeit für billige oder
Gratiszeitungen endet aber. Über die Zukunft von
Qualitätsmedien entscheiden auch die Leser mit ihrer
Bereitschaft, für den Inhalt zu bezahlen. In diesem besten
Fall werden dann Journalisten und Leser gemeinsam Verantwortung
dafür übernehmen, dass die Freiheit erhalten bleibt.“
(20.10.2014) +++
http://www.respekt.cz/

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