Völkermord im Irak verhindern

Diário de Notícias – Portugal. Unterstützt von
US-Luftschlägen haben kurdische Kämpfer am Wochenende ihre
Gegenangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS)
verstärkt. Laut UN-Angaben sitzen rund 200.000 größtenteils
jesidische Zivilisten im Sindschar-Gebirge fest, bis zu 100.000
Christen sollen aus der Nähe von Mossul geflohen sein. Die
internationale Gemeinschaft steht in der Pflicht, einen
Völkermord im Irak zu verhindern, betont die
liberal-konservative Tageszeitung Diário de Notícias: „Erneut
ist also eine US-Intervention im Irak nötig, um den
unaufhaltsamen Vormarsch der radikalislamischen Kämpfer und
die sunnitische Rebellion gegen die Regierung in Bagdad
einzudämmen. Dies offenbart nicht nur die Schwächen der
Politik und des Militärs im Irak, sondern auch die Dimension
der Gräben, die das Land durchziehen. … Nach dem, was in
Ruanda, im ehemaligen Jugoslawien und in Darfur passiert ist,
wäre ein erneutes Massaker an Zivilisten unverzeihlich.“
(19.08.2014) +++
http://www.dn.pt/inicio/opiniao/editorial.aspx?content_id=4070949&page=2

+++ Einmischung der USA kann kontraproduktiv sein

NRC Handelsblad – Niederlande. Die USA laufen Gefahr, die
Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) mit dem
Militäreinsatz gegen sie noch zu stärken, warnt die liberale
Tageszeitung NRC Handelsblad: „Gute Absichten reichen nicht
aus. Wie bescheiden das Ziel und die Mittel dieses Einsatzes
nun auch sein mögen, Obama geht große Risiken ein. Dadurch,
dass sich die Supermacht Amerika nun in den irakischen Kampf
einmischt, kann es IS gelingen, noch mehr Unterstützung zu
mobilisieren. … Die Bedeutung der extremistischen
Organisation wächst angesichts eines so wichtigen Gegners wie
den USA. … Und wie weit wollen die USA gehen, wenn die
Luftangriffe nur unzureichend Wirkung zeigen und die Amerikaner
und die Jesiden in den Bergen doch weiter in die Enge getrieben
werden? Und wann ist die Lage für die Jesiden so sicher, dass
die Amerikaner ihre Operation beenden können?“ (09.08.2014)
+++
http://www.nrc.nl

+++ Fico und Orbán sind Trojanische Pferde Putins

Sme – Slowakei. Als unsinnig und schädlich hat der slowakische
Premier Robert Fico am vergangenen Wochenende die Sanktionen
gegen Russland bezeichnet. Derweil wird in Bratislava darüber
debattiert, ob man Russlands Präsident Wladimir Putin wegen
seiner Rolle im Ukraine-Konflikt von den Feiern zum 70.
Jahrestag des Slowakischen Nationalaufstands wieder ausladen
kann. Die liberale Tageszeitung Sme ist nicht erstaunt über
die Äußerungen des Premiers: „Fico geht mit seiner Kritik an
den Sanktionen nicht so weit wie [Ungarns Premier Viktor]
Orbán, der Putins Regime als Vorbild für sein eigenes Land
bezeichnet. Dennoch zeigen beide, gemeinsam mit der Einladung
Putins, dass dieser hier treue Verbündete hat, die bereit
sind, in der EU dessen schmutzige Arbeit zu machen. Sie werden
so zu Trojanischen Pferden. … Damit verrät Fico auch den
Slowakischen Nationalaufstand. Freiheit und Demokratie sind so
grundsätzlich, dass man für sie auch Opfer bringen muss.“
(11.08.2014) +++
http://www.sme.sk/

+++ Troika-Ersatz wäre auch nicht besser

Avgi – Griechenland. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude
Juncker hat bei einem Athen-Besuch vorige Woche vorgeschlagen,
die Troika [aus EU-Kommission, EZB und IWF] durch ein
demokratisch legitimiertes Gremium zu ersetzen. Kolumnist
Giannis Kibouropoulos erwartet in der linken Tageszeitung Avgi
ein weiteres Fiasko europäischer Krisenpolitik: „Diese
Ablösung der Troika wird eine weitere Kommunikationsblase
darstellen. … Alle Entscheidungen, die [die europäischen
Politiker] in den letzten fünf Jahren getroffen haben, die mit
der Schuldenkrise zu tun hatten, waren eine Reihe von
politischen und wirtschaftlichen Blasen, die eine nach der
anderen platzten. … Die Rettung der Banken und Staaten, das
erste Darlehens-Memorandum, die Mechanismen ESM und EFSF, das
zweite Darlehens-Memorandum, der freiwillige Schuldenschnitt,
die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank, auch
die berüchtigte ‚Panzerfaust‘ von EZB- Chef Draghi, die
angeblich die Stagnation der Euro-Zone lösen würden, waren
eine Reihe von Entscheidungen, die als historische
‚Innovationen‘ beworben wurden und sich als eklatante
Misserfolge erwiesen haben.“ (10.08.2014) +++
http://www.avgi.gr/article/3627364/apo-fouska-se-fouska

WIRTSCHAFT

+++ Putin opfert sein eigenes Volk

15min – Litauen. Mit dem Lebensmittel-Embargo schadet Putin
einzig und allein den 140 Millionen Einwohnern seines Landes,
bedauert das Portal 15min: „Wäre es für Putin nicht
gescheiter gewesen, dem Westen das Erdöl und das Gas
wegzunehmen? Stattdessen hat er den Russen selbst ihre Nahrung
weggenommen. … Warum hat man die Russen hart bestraft und dem
Westen nur Angst eingejagt? Mit einem Lieferstopp für Gas und
Erdöl, vor dem wir im Westen uns dummerweise am meisten
gefürchtet haben, hätte Putin seine Clique bestraft – die
Oligarchen, die dank der Energie-Exporte ganz dick geworden
sind. … Doch nun steht fest: Soll doch das ganze riesige Land
vor Hunger fast umkommen – Putin wird seine Politik nicht
ändern. … Das russische Volk war ja für die russischen
Führer mit wenigen Ausnahmen immer nur ein Produktionsabfall.“
(11.08.2014) +++
http://www.15min.lt/naujiena/ziniosgyvai/komentarai/rimvydas-valatka-kalejimo-virsininkas-v-putinas-paskelbe-bado-streika-zekams-500-445922?cf=df

+++ Günstige Lebensmittel dank russischem Embargo

Delfi – Lettland. Nach dem Einfuhrverbot für westliche
Agrarprodukte will Moskau mit der russischen Handelsbranche
eine Deckelung der Lebensmittelpreise aushandeln. Das
Internetportal Delfi fürchtet hingegen keine Teuerung für
Lettland: „Das russische Embargo wird zu einem Sinken der
Verbraucherpreise führen. … Der Einfuhrstopp wird natürlich
bestimmten Herstellern und Bauern Probleme bereiten und sie
müssen sich genau überlegen, wo sie ihre Produkte verkaufen
können. Aber eine ähnliche Situation haben auch die Polen und
die Litauer. Jedenfalls wird das Angebot von Lebensmitteln in
Lettland steigen und die Preise werden sinken. Dieser Effekt
wird nicht gering sein. Die von Russland sanktionierten
Lebensmittel bilden fast die Hälfte der Produkte, die auch die
Letten täglich verbrauchen. Vor allem werden diejenigen
Familien davon profitieren, die sich bis jetzt finanziell nicht
alles erlauben können.“ (09.08.2014) +++
http://www.delfi.lv/bizness/viedokli/skruzkalne-krievijas-embargo-radis-atvesinosu-ietekmi-uz-paterina-cenam.d?id=44822060

GESELLSCHAFT

+++ Emanzipation der Justiz in Rumänien hält an

Blog Adevărul – Rumänien. Der einflussreiche rumänische
Politiker und Medienmogul Dan Voiculescu ist am Freitag wegen
Geldwäsche zu zehn Jahren Haft verurteilt worden – das
Strafmaß ist das höchste, das in dem Land jemals gegen einen
Würdenträger verhängt wurde. Über den Sieg der Justiz freut
sich auf dem Blog der liberal-konservativen Tageszeitung
Adevărul Schriftsteller Radu Alexandru: „Der Sieg besteht
nicht in der Höhe der Haftstrafe, sondern darin, dass die
Justiz ihren Kampf mit dem Oligarchen Dan Voiculescu – ihrem
schärfsten Gegner der vergangenen 25 Jahre – zu Ende geführt
hat. Schauen wir uns die lange Liste der Personen an, die
juristisch zur Rechenschaft gezogen wurden: ein Premier,
mehrere Minister, Parlamentarier, Medienmogule. Doch keiner
besaß so viel politische und finanzielle Macht und einen so
großen Einfluss auf die Medien wie Dan Voiculescu. … Dan
Voiculescu war der erste Oligarch Rumäniens, der nichts
ausließ, um die Justiz zu behindern. Jetzt ist er Geschichte.
Verruchte, hässliche Geschichte.“ (11.08.2014) +++
http://https://adevarul.ro/news/politica/o-datA-istoricA-1_53e513100d133766a81f1c5b/index.html

+++ Europas Einwanderungspolitik gescheitert

La Libre Belgique – Belgien. Bei gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen Einwanderern in einem
Auffanglager in Calais sind vergangene Woche 70 Menschen
verletzt worden. Die liberale Tageszeitung La Libre Belgique
meint, dass Europa mit seiner Einwanderungspolitik endgültig
gescheitert ist: „In Lampedusa, Gibralter und jetzt auch Calais
hält die Verriegelung der Grenzen die Migranten nicht davon ab,
nach Europa zu kommen. … Was heute in Calais und anderswo in
Europa fehlt, sind nicht Nahrung und Betten für illegale
Einwanderer, sondern politischer Mut. Der Mut, den Misserfolg
unserer Einwanderungspolitik zuzugeben und darüber
nachzudenken, unsere Grenzen für Einwanderer zu öffnen.
Unsere Politiker sollten es wagen zu sagen, dass die
Immigration nicht massiv ansteigt, dass sie auch zum
Wirtschaftswachstum beiträgt und dass die Einwanderer heute
viel qualifizierter sind als früher. Dann wäre das Thema
einer Wählerschaft, die von einer irrationalen Angst vor dem
Fremden gequält wird, sicher leichter zu vermitteln.“
(11.08.2014) +++
http://www.lalibre.be

+++ Medien bauschen Ebola-Epidemie auf

Boulevard Voltaire – Frankreich. Die Weltgesundheitsorganisation
hat angesichts der Ebola-Epidemie in Westafrika mit derzeit rund
1.000 Toten einen „internationalen Gesundheitsnotfall“
ausgerufen. Damit kann sie nun völkerrechtlich verbindliche
Vorschriften zur Bekämpfung der Epidemie erlassen. Doch die
Epidemie wird von den Medien aufgebauscht, kritisiert der Arzt
Jacques Michel Lacroix im Webmagazin Boulevard Voltaire: „Das
Ansteckungsrisiko ist hoch für das medizinische Personal und
das Umfeld des Patienten, aber relativ schwach für die übrige
Bevölkerung. Es ist auf keinen Fall vergleichbar mit dem
Ansteckungsrisiko bei Grippe, die zwar weniger gefährlich ist,
aber trotzdem 3.000 bis 5.000 Todesfälle pro Jahr in Frankreich
verursacht. Die derzeitige Epidemie ist zwar die bisher größte
seit der Entdeckung des Virus, doch sie bleibt eher mäßig
stark und lokal beschränkt. … Man muss die Daten objektiv
analysieren und darf die Ereignisse nicht überbewerten, indem
man auf der Welle althergebrachter Ängste surft, auch wenn man
so den Leser oder Zuschauer faszinieren kann.“ (10.08.2014) +++
http://www.bvoltaire.fr/jacquesmichellacroix/ebola-sera-t-il-pire-peste-cholera,98493

SPORT

+++ Uefa schikaniert Polen mit Klubausschluss

Gość Niedzielny – Polen. Die Uefa hat am Freitag den
polnischen Fußballmeister Legia Warszawa aus der Champions
League ausgeschlossen. Im Qualifikationsspiel gegen Celtic
Glasgow hatte der polnische Trainer kurz vor Abpfiff einen
gesperrten Spieler eingesetzt, nun ist der schottische Verein
eine Runde weiter. Reine Schikane, ereifert sich Wojciech
Teister vom nationalreligiösen Portal Gość Niedzielny: „Die
Dummheit der polnischen Funktionäre ist eine Sache für sich.
Unabhängig davon wirkt die Uefa wie eine Gruppe von Banditen.
Dieses Urteil ist mit Sicherheit kein gutes Marketing für
schönen Fußball. Es würde mich mal interessieren, ob die
Uefa auch so entscheiden würde, wenn es nicht um Legia ginge,
sondern um einen Klub aus Russland, England oder Frankreich.
… Und wirklich schade, dass das Prinzip des Fair Play, das
sich die Uefa und die Fifa auf die Fahnen geschrieben haben,
hier nicht angewandt wird.“ (11.08.2014) +++
http://gosc.pl/doc/2114180.Glupota-i-chamstwo

+++ Italiens neuer Fußballpräsident wäre Schande

La Repubblica – Italien. Der italienische Fußballverband wird
heute voraussichtlich Carlo Tavecchio zu seinem Präsidenten
wählen, der mit rassistischen Äußerungen Schlagzeilen
machte. Nach dem Vorrundenaus des italienischen Teams bei der
WM in Brasilien hatte er sich abwertend über „Bananen essende“
afrikanische Spieler in der Serie A geäußert. Seine Wahl wäre
eine Schande für den italienischen Fußball, schimpft die
linksliberale Tageszeitung La Repubblica: „Carlo Tavecchio ist
der Name, der am ehesten eine veraltete Macht repräsentiert,
die sich um sich selbst dreht. … Er identifiziert sich mehr
als andere mit dem Programm der Mehrheit, die ihn unterstützt:
Nichts darf sich verändern, damit die vollständige Kontrolle
über den Fußballverband garantiert ist, ebenso wie die
Kontrolle über Fernsehrechte, Pfründe und mehr oder weniger
legale Beziehungen zu den Hooligans. Eine Marionette in den
Händen vieler Bauchredner. Das Problem sind nicht die Bananen.
Das Problem ist das System, die Welt, die Tavecchio wählen
wird.“ (11.08.2014) +++
http://www.repubblica.it

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